Mit neuen Flötentönen auf den Weltmarkt
Unternehmer Ulf Roessler will traditionsreiche Holzblockflötenproduktion wieder ankurbeln
von Hermann Böttiger
Weddingstedt - Die Adresse "Flötenweg 5" weist zielsicher den Weg zu Ulf Roessler in Weddingstedt. Dort steht die Werkstatt des Dithmarscher Flötenbauers. Ende vergangenen Jahres hat Roessler den Betrieb von seinem Vater übernommen. Mit neuem Management will der 54jährige Handwerker und studierter Diplom-Kaufmann seine Holzinstrumente auf dem Markt gegen die Kunststoff-Konkurrenz behaupten. Er sieht gute Chancen für seine erlesenen Einzelstücke, die er persönlich in Feinarbeit stimmt. Roessler: "Auch genaueste Meßgeräte reichen nicht aus - man braucht Erfahrung dazu."
Mit fünf Angestellten versuchen Ulf Roessler und seine Ehefrau Manuela Roessler-Finke den Neustart. Früher waren in dem Betrieb 14 Angestellte beschäftigt. Dann kam im Februar 1998 der Konkurs. Nach viel Hin und Her und gegen eine Reihe von anderen Interessenten hat das Ehepaar den Betrieb gekauft. "Geholfen hat uns unser Sohn, der den Firmennamen "Roessler" zum Patent anmeldete. Dadurch hätte sich der Kauf für andere Interessenten erheblich verteuert", berichtet der frischgebackene Betriebschef.
Als rohe Kanthölzer werden die künftigen Blockflöten bei Ulf Roessler angeliefert. Dann wird gedrechselt, gebohrt und gefeilt. Besonderes Geschick verlangt der Windkanal im Mundstück, durch den die Luft auf die Flötenzunge trifft. Die Palette der Hölzer ist breit: europäischer Buchsbaum und Ahorn, Birne und Pflaume aus Schleswig-Holstein sowie Ebenholz, Gummibaum und Palisander aus Übersee. "Jede einzelne Holzart vom Klang her auseinanderzuhalten, fällt auch mir schwer", gesteht er. Dabei reicht sein Angebot von der Schulflöte bis zum hochwertigen Orchesterinstrument für mehr als 6000 Mark. Nicht ohne Stolz verweist Roessler auf das gute Testergebnis der "Stiftung Warentest".
Angefangen hatte Vater Heinz Roessler in einer alten Wehrmachtsbaracke. Stetig wurde die Werkstatt ausgebaut, denn in den Schulen gehörte die Blockflöte inzwischen zum Standart. Pro Tag verließen in Spitzenzeiten 1500 Flöten das Weddingstedter Werk, 80 Prozent davon gingen in den Export. Doch die preiswertere Kunststoffflöte machte den Roesslers seit Ende der siebziger Jahre vor allem im Auslandsgeschäft arg zu schaffen. Das Geschäft geriet zunehmend in finanzielle Schieflage. Nur eine Handvoll hoch spezialisierter kleiner Hersteller bedienen den Markt. Ulf Roessler ist darum optimistisch, den Betrieb mit hochwertigen Holzflöten auf neuen Kurs zu bringen.
Intensives Marketing soll das Geschäft beleben
Einen Markt dafür sieht er sowohl im Inland wie im Ausland. " Man spielt ja auch nicht auf einer Plastikgeige." Die Pflege und der Ausbau der Beziehungn zu Kunden, Musikgeschäften und Musikschulen steht für ihn ganz obenan.
Geärgert hat Ulf Roessler, dass er bei Betriebsübernahme gegenüber der Industrie- und Handels-kammer und dem Kieler Wirtschaftsministerium noch eigens seine Qualifikation nachweisen mußte. Denn schließlich arbeitet er bereits seit 22 Jahren in der Werkstatt: Es half alles nichts. Er legte kürzlich eine Art "Meisterprüfung" bei einem Unternehmen in Fulda ab, jetzt sind auch die Beamten zufrieden.
Während die Schulflöte nach Schablone gebohrt werden, stimmt Roessler die größeren Flöten individuell mit Hilfe eines "Zahnarztbohrers": "Ein hundertstel Millimeter verändert bereits den Ton." Auch ob ein Tonloch innen oder außen vergrößert wird, sei von einem geschulten Ohr zu hören. Seine Freizeit verbringt Ulf Roessler jedoch meist ohne Blockflöte: er spielt Klarinette in zwei Jazz-Bands.

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